Hast du dir schon mal den Zeh gestossen?

Hast du dir schon mal so richtig den Zeh gestossen? Ja? Dann weisst du, dass dies verdammt weh tut! Es erscheinen die in Comics gezeichneten Sternchen. Das tut so weh, dass ich dann fluchend herumhüpfe, bis der Schmerz nachlässt. Geht dir das auch so? Eine normale Reaktion auf diesen unvermittelten Schmerz der dich überflutet. Es geht gar nicht ganz tapfer die Zähne zusammen zu beissen, ruhig stehen zu bleiben und dabei zu lächeln.

 

Dieser Schmerz macht wütend. Auf den Stuhl, das Tischbein, den Türpfosten und die eigene Unachtsamkeit. Wut ist eine Emotion, die sich kraftvoll Bahn bricht. Du kennst ja vielleicht die Begriffe von „wutentbrannt“ und „schäumend vor Wut“. Es zeigt sehr gut, was Wut so tut mit dir.

 

Wut hat ihre Berechtigung, wenn sie nicht in „blinde Wut“ umschlägt und grossen Schaden anrichtet. Gefühle und Emotionen können wir nicht ignorieren, sie sind da. Doch wir können lernen mit Emotionen und Gefühlen umzugehen. Denn wer dies nicht kann, schadet schlussendlich sich selbst.

Wut ist heute sehr unsexy

Wut ist heute verpönt. Schon in der Schule wird Wut einfach nicht mehr akzeptiert. Gerade Kinder sind noch sehr stark mit sich selbst und ihren Emotionen verbunden. Sie spüren wenn etwas unfair ist oder eben wenn ihnen Schmerz in jeglicher Form zugefügt wird. Dann werden sie einfach wütend! Jedes Kind ist anders, genauso wie jeder Mensch anders ist. So fallen die Reaktionen bei Wut verschieden aus. Doch Wut wird Kindern abtrainiert! Klar, wer wütend ist muss lernen damit umzugehen. Doch heute wird diese Emotion schlichtweg auch unterdrückt. Wollen wir nicht, dürfen wir nicht, gibt es nicht. Damit wird alles noch schlimmer! 

 

Wenn du deine Wut immer unterdrückst, breitet sie sich aus wie ein schleichendes Gift das eben alles vergiftet. Du wirst immer unzufriedener und weisst nicht warum. Du fühlst dich deshalb immer mehr schuldig und unverstanden. Du merkst selbst wie du immer schlechter gelaunt wirst und kannst dich selbst nicht mehr ausstehen. Bei älteren Menschen sieht man diese Wut in Form von Verbitterung im Gesicht ganz genau. Sie benehmen sich ätzend und niemand hat Lust in ihrer Nähe zu sein. Ja, viele Menschen werden durch ihre stets unterdrückte Wut richtiggehend boshaft zu allen anderen. Immer mehr trifft dies leider schon auf sehr junge Menschen zu. Das Aggressionspotenzial steigt immer mehr. Es braucht wenig und jemand tickt total aus. Alles Auswirkungen von stets unterdrückter Wut.

 

 

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Wut ist mehr als Ärger oder Frust

Es heisst, du sollst nicht länger wie 20 Minuten wütend sein und dann wieder deinem Alltag nachgehen. Oft auch, dass Wut nichts bringt ausser, dass du dir selbst damit schadest. Ganz so einfach ist es nicht. Wut schadet genau in dem Moment dir selbst, indem du sie gegen dich selbst richtest. Wenn du nicht erkennst was genau dich wütend macht. Wenn du nicht hinschaust, was diese Wut ausgelöst hat. 

 

Du kannst ärgerlich oder frustriert sein, wenn etwas nicht läuft wie geplant. Wenn eine Verabredung nicht klappt, Kunden abspringen, Zoff mit den Kindern, dem Partner oder der Familie und einiges mehr. Dann bist du enttäuscht und das macht ärgerlich und ist frustrierend. Hier ist es richtig diesem Gefühl bewusst 10-20 Minuten Raum zu geben und weiter zu machen. Alles andere bringt nichts. Wenn du dich darin verbeisst und dich in Klagen und Schuldzuweisungen verlierst kommst du nicht weiter. 

Wut ist eine natürliche Reaktion auf Schmerz

Wut ist wichtig, denn es ist eine klare Abgrenzung gegen Übergriffe. Es ist ein Verteidigungsmechanismus in Momenten, in denen du körperlich oder emotional angegriffen wirst. In solchen Momenten ist es wichtig, dass du deine Wut behandeln kannst wie ein Dompteur die Raubtiere. Ja, die Wut ist manchmal wie ein Raubtier das für dich und andere gefährlich werden kann.

 

Hinter der Wut wartet der Schmerz. Wut ist eine gute Barriere um diesen Schmerz nicht zu fühlen. Menschen, die sich scheinbar grundlos über jede Kleinigkeit aufregen und wütend sind, weichen diesem Schmerz aus. Doch was macht denn diesen Schmerz aus? Die vielen, vielen Verletzungen jeglicher Art, denen Menschen ausgeliefert sind. Denn diese Verletzungen haben viele Gesichter. Trauer, Frustration, all die vielen Kränkungen, fehlen von Anerkennung und Wertschätzung, immer wieder aufkommende Sticheleien und vieles mehr. All dies verletzt und tut weh. Wie oft hast du schon über einen Witz auf deine Kosten mitgelacht und dabei war es dir in dem Moment alles andere als zum Lachen? Doch so verhalten sich Menschen, um nicht negativ aufzufallen. Um nicht als Spielverderber und Spassbremse zu gelten. 

Gute Gründe für Wut

Die fiesen, verbale Attacken

Angriffe geschehen heute viel weniger auf der körperlichen Ebene, als vielmehr sehr subtil auf der verbalen Ebene. „Ich meine es nicht wertend was ich jetzt sage, also nimm es nicht persönlich aber…“ ist meistens der Eröffnungssatz zu einem Rundumschlag der seine Treffer unter der emotionalen Gürtellinie  landet.

 

Nur wegen der Einleitung „ich meine es nicht wertend“ ist plötzlich alles erlaubt, das aus der tiefsten "Triebschublade" hervorgeholt werden kann. Der persönliche Mistkübel eines Menschen wird in einer unsäglichen, verbalen Kanonade über einen anderen ausgeleert. Sei dies unter vier Augen oder wenn andere dabei sind. Wehrt sich die betroffene Person heisst es nur „du bist eben nicht kritikfähig und nimmst alles persönlich“. Ein weiterer, verbaler Schlag der übelsten Sorte.

 

Heute wird die mieseste Praline in das bunte Papierchen „es ist nicht wertend, ich meine es nur gut mit dir“ verpackt. Egal ob aus dem Freundeskreis, von Bekannten, Partnerinnen und Partnern, in Schulen oder im Business-Bereich – diese Technik wird fast tagtäglich angewandt. Es ist der Start zu Mobbing. Ja, auch im engsten, sozialen Bereich geschieht Mobbing. Wie überall wird es natürlich getarnt als „ich meine es ja nur gut mit dir“ oder „ich muss dich vor dir selbst schützen“ oder „es geht mich ja nichts an aber…“. 

Eine Form der Demütigung: In Zuckerguss verpacktes Gift

Ja, es gibt diese Situationen in welchen dir jemand mit unschuldigem Augenaufschlag, einem Lächeln und zuckersüsser Stimme den Giftstachel setzt. Dich von oben herab behandelt wie ein unfolgsames Kind das man nachsichtig tadelt. Auf diese Weise jemanden zu demütigen ist sehr perfide. Frauen sind darin echte Meisterinnen. Doch auch Männer können das gut. 

 

Es ist diese ganz bewusste Ausnutzung einer bekannten Schwäche des andern. Hast du so etwas schon einmal erlebt? Entweder ist es dir selbst passiert oder du hast es beobachtet? Es ist eine sehr fiese Taktik, die aber unglaublich grosse Wirkung hat. Denn wer diese Formen der Demütigung erlebt könnte vor Scham im Boden versinken! Egal was du tust, es wird als Überreaktion abgetan! Das ist richtig, richtig mies und wird so oft eingesetzt. Das macht völlig zu Recht wütend! 

Die inkompetenten Schreihälse

Ja, es gibt sie noch immer in weiblicher und männlicher Form: Die Schreihälse die laut werden, Türen knallen, mit Unterlagen und Gegenständen werfen, auf den Tisch hauen und so ihre stärkere Position beweisen. Meist sind es Eltern, Lehrpersonen oder Vorgesetzte die sich so verhalten. Manchmal aber auch Kunden die ihrem eh schon angestauten Ärger Luft machen.

 

Sind wir ehrlich, die sind nicht dramatisch. Da können alle sehen wie dämlich sich jemand benimmt. Heute machen diese Schreihälse keinen Eindruck mehr. Führen sie sich so bei Kindern auf, ist dies für diese sehr schlimm und bedrohlich. Solche Erlebnisse können Kinder traumatisieren und sie als Erwachsene zu handlungsunfähigen Menschen machen. Wer sowas nicht erlebt hat, für den ist dieses Verhalten nur eine Lachnummer.

 

 

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Ganz wichtig: Der Wut Raum geben und dich wehren

All diese vielen Formen von verbalen Attacken bringen dich in eine peinliche Situation. Vielleicht ist es so schlimm, dass du vor Scham am liebsten im Boden versinken würdest. Vielleicht handelst du aus dem Affekt heraus falsch und fühlst dich dann sogar noch schuldig

 

Da kannst du nur wütend sein und hast nicht den Mut dich zu wehren. Darf man in solchen Situationen wütend werden? Ja! Stoppt man Schreihälse ist das ganz ok, denn diese haben sich selbst disqualifiziert. Hast du in dieser Situation nicht gerade eine Retraumatisierung aus der Kindheit, kannst du locker und ruhig Kontra geben. Es trifft dich nicht, wenn die andere Person tobt. Anders verhält es sich natürlich, wenn du unverarbeitete Erlebnisse aus der Kindheit hast. Denn dann wirkt so ein Schreihals unglaublich bedrohlich und du kannst weder denken, reden noch anders darauf reagieren.

 

 

Das Problem sind vielmehr diese in Zuckerguss verpackten Giftstachel und die subtilen, verbalen Attacken. Diese Menschen, die das anwenden, wissen ganz genau was sie tun. Sie kennen deine wunden Punkte und nutzen dieses Wissen schamlos aus. Natürlich triggert das deine Wut an und du schäumst innerlich. Wenn du in solchen Situationen laut wirst, dann bist du die Person über die man die Nase rümpft. Denkst du jedenfalls und hältst den Mund. Ganz anders nehmen das andere um dich herum wahr. Die merken sehr genau welches Spiel gespielt wird.

 

Du darfst dich auch in solchen Situationen wehren. Klar sagen, dass dies keine Kritik ist, sondern eine perfide und unwahre Abwertung. Den Raum verlassen und dich bewegen hilft dir, wieder klar zu denken. Ja, auch ruhig ein Meeting verlassen ist erlaubt. Denn das Meeting ist in diesem Moment für dich sowieso gelaufen. Klares Denken ist nicht mehr möglich. Du zeigst Stärke und Grösse, wenn du dir das nicht gefallen lässt. Der anderen Person klar sagst, dass dies eine miese Nummer ist und du dir das nicht gefallen lässt. Du kannst den Spiess auch umdrehen und sagen: „Ohne zu werten aber mir fällt auf, dass…“. 

Formen der Wut

Es gibt diese kurz auflodernde Wut, bei der du aber immer noch klar denken kannst und souverän bleibst. Du gibst sachlich Kontra, machst klar Schiff und die Sache ist schnell erledigt. Diese Wut ist eine gesunde Abgrenzung gegen Übergriffe. So ungefähr wie eine Schutzmauer die kurz hochfährt. Diese Wut klingt danach schnell wieder ab. Das ist die gesunde Wut, mit der du klare Grenzen ziehst.

 

Dann gibt es diese Wut die nach einem Vorfall ewig lange in dir nagt und frisst und immer und immer wieder auflodert. Diese unglaubliche Wut, die dir den Atem raubt und dein Herz rasen lässt. Diese Wut, die du gar nicht los wirst. Diese Wut ist wie ein Schwelfeuer das jeden Moment wegen „Nichts“ wieder hell auflodern kann. Dies ist die ungesunde Wut, die dir und den Menschen um dich herum das Leben schwer macht.

 

Diese Wut ist immer irgendwie da und du wirst sie gar nicht los. Es ist wirklich wichtig den Mut zu haben, dass du dich mit dieser Wut auseinandersetzt. Denn sie vergiftet dich und dein Leben immer mehr. Du wirst zu einem Menschen bei dem man nie weiss woran man ist. Der geringste Anlass und diese Wutflamme lodert hell auf und lässt dich ausflippen. Nun wirst du wütend über diese unkontrollierbare Wut und vor allem über dich. Das ist auf Dauer echt ungesund und verdirbt dir viele Chancen im Leben. 

Hinter der Wut versteckt sich dein Schmerz

Ganz wichtig ist es zu erkennen was hinter der Wut steckt. Wut entsteht immer dann, wenn eine Verletzung stattfindet. Sei dies ein Verlust, Vertrauensmissbrauch, du ausgenutzt wirst, deine Ideen geklaut werden, du respektlos behandelst wirst, man dir für etwas ungerechtfertigt die Schuld gibt, hinter deinem Rücken Unwahrheiten über dich verbreitet werden und so weiter. Du weisst selbst wie viele Facetten von Reaktionen, Handlungen und Verhalten es gibt, die eine Verletzung hinterlassen. 

 

Du kannst darauf gehen: Je grösser die Wut, je tiefer die Verletzung. Natürlich geht es nun nicht nur um diese eine Verletzung oder um diese eine Grenzüberschreitung die du erlebst. Sondern es sind Erfahrungen und Erlebnisse die du immer und immer wieder machst. Richtest du nun deine Wut gegen dich selbst, dann schadet dir das ungemein. Das geschieht, wenn du dir selbst die Schuld an allem gibst. Je stärker und langanhaltender die Wut ist, je mehr geht es um Gefühle von Ohnmacht. Dem Gefühl in Situationen gefangen zu sein. Damit einher geht aber auch das tiefe Gefühl, dass du dich nicht wehren kannst oder darfst. Dahinter liegen Ängste verborgen. Wer die Zusammenhänge kennt, kann damit unglaublich gut andere Menschen manipulieren.

 

Es gibt sehr viele Menschen die steigern sich durch diese immer glimmende Wut in eine Opferrolle hinein und werden dabei unweigerlich zu Tätern die anderen Leid zufügen. Sie brauchen immer Schuldige und finden sie auch. Sie erschaffen sich Feindbilder die es nicht gibt und manövrieren sich so immer mehr ins Aus. 

Wie du den Schmerz erkennen kannst

 

Du kannst deine Wut besser kennen lernen indem du dir Zeit nimmst und aufschreibst was dich gerade so wütend macht. Schreib auf wie du dich dabei fühlst und was dich verletzt. Später liest du es nochmals durch und überlegst dir einmal an welche Situationen dich das erinnert und schreibst dies auch auf. Mit diesem „Wut-Tagebuch“ kannst du Muster erkennen wann du wütend wirst, wie du dich dabei fühlst und wann dir das auch schon passiert ist. Du erkennst auch, wann du dir selbst die Schuld gibst und wie das für dich ist. Oft lernen wir, nicht auf die Person wütend zu sein auf die wir es sollten, sondern auf uns selbst.

 

 

Je besser du erkennst was dich wirklich verletzt, je konstruktiver kannst du dich zur Wehr setzen ohne in deine Wutmuster zu verfallen. Wut ist ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Ohnmacht. Es wird in deinem Leben immer wieder solche Situationen geben die dich verletzen und traurig machen. Es wird immer wieder Menschen geben, die dich ganz bewusst durch ihre Handlungen, ihre Reaktionen und ihr Verhalten schlecht behandeln.

 

Souverän zu sein bedeutet, dass du deine Gefühle und Emotionen kontrollieren kannst

und nicht sie dich.

 

Dann prallen diese miesen Touren an dir ab. Du kannst dich sachlich dagegen wehren und es wird uninteressant dich so zu behandeln. Das Spiel macht nur Spass, wenn es Mitspieler gibt.


 

 

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