Das miese Spiel andere zu beschämen

Das miese Spiel andere zu beschämen

Wer immer wieder das Gefühl hat wie peinlich das eigene Verhalten ist, wird gerne zum Spielball von gewieften Manipulatoren. Den anderen Menschen zu demütigen und damit zu beschämen ist eine super Waffe und untergräbt die Kompetenz und das Ansehen des gewählten Opfers. Wer dieser Scham-Falle immer wieder ausgeliefert ist, hat es wegen seinen Selbstzweifeln schwer erfolgreich zu sein.

Wenn du dies auch kennst ist es gut möglich, dass du dich eher im Hintergrund hältst um nicht aufzufallen. Das ist leider oft eine angewendete Strategie um nicht dauernd das Gleiche erleben zu müssen. Leider hilft es wenig um erfolgreich zu sein. Doch das Mindset ist so stark auf dieses „nur nicht auffallen“ programmiert, dass es oft nicht einmal auffällt.

„Oh mein Gott, ich schäme mich so!“

Vor vielen Jahren sass meine Freundin (nennen wir sie Sabine) heulend vor mir und ich war total entgeistert. Sie schämte sich! Sie schäumte nicht vor Wut! Ich fühlte mich überfordert und ratlos in dieser Situation. Am Abend zuvor hatte ihr Mann seine Tasche gepackt und ihr mitgeteilt „Ich verlasse dich. Ich habe seit zwei Jahren ein Verhältnis mit einer anderen Frau. Wie doof musst du sein, das nicht zu bemerken?! Du bist nur noch langweilig. Das funktioniert so mit uns nicht mehr.“

Meine Freundin hatte ihrem Mann vertraut. Sie erlebten Höhen und Tiefen in ihren sieben Jahren Ehe, wie dies eben vorkommt. Sie arbeiteten beide als Führungspersonen. Beide besuchten Weiterbildungen und waren beruflich stark engagiert. Sie verband aber auch gemeinsame Interessen und Freunde. Sie hatten Spass zusammen und das war für alle gut sichtbar. Sie waren kurz davor, sich ihre Traumwohnung zu kaufen und nun das! Doch wieso war sie nicht eine tobende Furie, sondern ein heulendes Elend? Warum schämte sie sich, dass ihr Mann sie verlassen hat?

Ursprung von Scham

Angst, Schuld und Scham sind ganz eng miteinander verbunden. Gehen wir dem Wort Scham auf den Grund, so kommt es aus dem Germanischen Skamo und bedeutet Schande und Beschämung. Aha – interessant.

„Du bist eine Schande für die Menschheit!“ Dieser Ausspruch wird manchmal in Filmen gebraucht. Ein Mensch, der als Schande bezeichnet wird, hat etwas ausgesprochen oder getan, das nicht konform ist mit den Regeln.

Wir schämen uns, wenn wir eine Demütigung erleben. Doch warum reagieren wir so? Vor allem, warum lassen so viele Menschen das immer wieder zu?

Kindheit und Erziehung

Kinder sind Entdecker! Jeden Tag gibt es Neues zu erkunden und zu entdecken im Leben eines Kindes. Ein Kind muss viel lernen. Auch, an welche Regeln es sich halten muss. Es ist Erwartungen an sein Sein, Benehmen und Verhalten ausgesetzt. Regeln sind verpackte Erwartungen. Gut, wenn diese ausgesprochen werden. Doch sehr oft werden sie nicht mitgeteilt. Kinder sind impulsiv und toben gerne. Sie sind oft noch ungeschickt und es passieren ihnen natürlich viele Missgeschicke. In dieser Zeit hören sie oft „Pass doch mal auf, kannst du denn gar nichts“, „Wenn du so weitermachst wird nie was aus dir“, „Ich bin so enttäuscht von dir“, „Du machst mich einfach nur traurig“, „So habe ich dich nicht mehr lieb, geh mir aus den Augen“ und viele solche Aussagen mehr, werden Kindern tagtäglich entgegengeworfen. Oft auch im Beisein anderer.

Demütigung nennt man das. Hier ist etwas geschehen, das mir nicht passt, meinen Regeln und Erwartungen nicht entspricht und wird bestraft. Natürlich weiss das Kind selbst, dass es etwas verbockt hat. Doof sind Kinder ja nicht. Selten jedoch, machen sie es aus Absicht. Ausser, sie erhalten nur Aufmerksamkeit, wenn sie etwas verbocken und sind ansonsten unsichtbar. Dann wird schlechtes Benehmen zu einer Strategie um Aufmerksamkeit zu erhalten. Doch auch schlechte Laune und Frust führen dazu andere zu demütigen. Ob im Elternhaus, der Schule, im Studium, in der Ausbildung oder am Arbeitsplatz. Wer in einer machtvolleren Position ist, kann dies unglaublich ausnutzen. Wer das oft erlebt, kann unter einem Entwicklungstrauma leiden, ohne dies zu wissen.

Demütigung als Erziehungs- und Führungs-Instrument

Man kann bei Menschen absichtlich Schamgefühle auslösen und sie damit manipulieren. Denn jeder Mensch hat seine Achillesferse. Die eine Stelle, an der man ihn ganz tief verletzen kann. Es gibt Menschen, die sind wandelnde Radare und machen genau diese Schwachstelle bei anderen Menschen in kürzester Zeit aus. Hast du schon mal erlebt, dass du von deiner Führungsperson vor versammelter Mannschaft oder unter vier Augen heruntergemacht wurdest? Als Grundlage dienten eine vermeintliche Schuld und die Demütigung in Form von „das haben Sie ja wunderbar verbock! Was haben Sie sich dabei gedacht!“ folgte gleich danach. Mit solch manipulativen und unfairen Aktionen werden auch Erwachsene gesteuert. Alte Muster und Erfahrungen aus der Kindheit lassen grüssen. Gut ist es diese Blockaden zu erkennen und zu lösen. Das gibt dem eigenen Leben eine neue Richtung.

Zurück zu Sabine und ihrem treulosen Ehemann

Warum also sass meine Freundin Sabine nun da und schämte sich verlassen worden zu sein? Ganz klar, sie fühlte sich schuldig, nicht gut genug gewesen zu sein – schlechte Leistung. Sie fühlte sich schuldig, seine Untreue nicht einmal bemerkt zu haben und ergo etwas doof und erst noch langweilig zu sein. Sie fühlte sich schuldig und erst noch als Versagerin. Die Frau die verlassen wurde, weil eine andere Frau besser war! Was gehört dazu? Klar, die Angst vor den negativen Reaktionen ihres Umfeldes! Wie werden Familie und Freunde reagieren? Was ist das erlernte Muster? Wer sich schuldig gemacht hat, wird bestraft! Schuld und Strafe gehören bekanntlich zusammen. Ach ja, als Sahnehäubchen obendrauf dann noch die Angst vor den Konsequenzen! Diese Kombi aus Angst, Schuld und Scham erzielt immer wieder ein super Ergebnis! Damit können Menschen in Null Zeit manipuliert und fertig gemacht werden.

Schockiere jemanden und du kommst mit allem durch

Du kannst jemandem einen Riesenmüll verkaufen. Reklamiert diese Person – zack Schuldzuweisung, Demütigung und klare Ansage an die Unfähigkeit dieser Person. Am besten im Beisein anderer Menschen und genug laut bitte. Hat die beste Wirkung. Meist herrscht dann betretenes Schweigen – gewonnen!

Warum ist das so? „Überrasche“ jemandem mit etwas gänzlich unerwartet Negativem (am besten seine Achillessehne) und das Gegenüber kommt in einen ersten Schockzustand. Stresslevel 100% und normales Denken weg. Das funktioniert wirklich fantastisch!

Genau wie Sabine. Der Schock, dass ihre Ehe, welche sie als gut und schön empfunden hatte, von einer Sekunde zur anderen in Schutt und Asche liegt, setzte sie erst einmal Schachmatt. Dann noch die fiesen Anschuldigungen gegen sie. Super, denn dann verschwindet die eigene Schuld ihres Mannes und er wird zum Opfer, das nicht anders kann, als sie zu betrügen und die Ehe zu crashen. So machen sich Täter zu Opfern und die Opfer werden zu Tätern gemacht. Praktisch, nicht wahr?

Mobbing oder der gekochte Frosch

Die vorher erwähnte Taktik ist die Grundlage von Mobbing. Es ist sehr einfach, erst einmal sanft und subtil damit zu beginnen und es immer mehr zu steigern. Warum bleibt Mobbing so oft unerkannt? Es ist ungefähr so, wie mit dem Frosch, der im kalten Wasser sitzt und dies wird immer mehr erhitzt bis er gekocht ist. Der Anfang ist sehr subtil und steigert sich immer mehr bis zur Eskalation. «Du täuschst dich, sei nicht so empfindlich, war doch nur Spass», sind dann die Antworten auf Einwände. Wer will denn schon empfindlich oder eine dauernde Spassbremse sein oder immer den Anschein erwecken, «Gespenster» zu sehen? So wird der Druck stetig immer mehr erhöht. Bei Einwänden werden diese als Hirngespinste und falsche Wahrnehmung abgewiegelt.

Happy End mal anders

Nach dem ersten Schock wurde Sabine bewusst, was ihr treuloser Ehemann gemacht hat. Natürlich folgten Wut, Enttäuschung, Trauer und Schmerz – das gesamte Spektrum, das Menschen in solchen Situationen durchleben. Nach einem Blick hinter die Kulissen ihrer Ehe war Sabine froh, dass die Ehe beendet war. Immer mehr erkannte sie, dass sie in dieser Beziehung der Frosch im kalten Wasser war. Wichtig für sie war es zu erkennen, warum dies passieren konnte. Wo sie die Augen verschlossen hatte und aus welchen Gründen. Ein wichtiger Schritt, damit ein Neustart wirklich gelingt.

Manchmal ist es schwer, Altes abzuschliessen und der Schockmoment will einfach nicht vergehen. Der Stresslevel bleibt hoch und wird begleitet von schlaflosen Nächten. Wenn dir das auch so geht, dann schreibe mir eine Mail und ich melde mich schnellstmöglich zurück.